Lektionen in emotionaler Intelligenz

Morgens 7:20.

Paula:  „Soll ich mal nach der Busverbindung für den Arzttermin nachher suchen?“

Ich:  „Ja mach das mal. Ich gehe solange unter die Dusche.“

Paula:  „Darf ich dafür an deinen Rechner?“

Ich:  „Klar“.

Fünf Minuten und eine erfrischende Dusche später.

Ich:  „Na wie sieht es aus?“

Paula:  „Das ist total doof hier.“

Ich:  „Tipp mal die ersten drei Buchstaben der Zieladresse ein.“

Sie tippt. Rechts erscheint ein Pulldown-Menü. welches mögliche Ziele anbietet.

Ich:  „Da ist es doch: einfach drauf klicken.“

Paula:  „Ort: Vier-marsch…“

Ich:  „Brauchst du nicht. „Hamburg“ reicht.“

Paula:  „Uhrzeit… Wann müssen wir los..?“

Ich:  „Wähle einfach „Ankunftszeit“ aus und trage 17:30 ein.

Paula:  „Nein, um 17:30 ist doch der Termin. Wir müssen doch früher da sein.“

Ich:  „Der gibt die auch immer die nächste Verbindung vorher und nachher an. 17:30 ist voll Okay.“

Sie versucht mir zu erklären, dass sie schon da gewesen ist und das besser wüsste. Nach einer kurzen Diskussion steht dann also 17:30 in dem Textfeld. Sie klickt auf „Suchen“. Drei Verbindungen werden angezeigt. Eine trifft am Ziel um 17:25 ein.

Ich: “ Die ist doch super, dann treffen wir uns um 17:00 Am Bergedorfer Bahnhof.“

Paula:  „Nein Papa, guck mal das ist der falsche Bus. Wir missen den anderen nehmen.“

Ich:  „Guck mal Paula. wenn Du die Zieladresse eingegeben hast und er sucht dir diesen Bus  raus, dann kann das nicht so verkehrt sein. da muss irgendwo ein Button mit der Umgebungsanzeige sein.“

Paula:  „Nein ich weiß das wir müssen den anderen nehmen!“

Ich:  „Paula, Klick mal da.“

Nach kurzer Weigerung klickt sie widerwillig. Falscher Button. Der Detail-Busfahrplan poppt auf.

Paula:  „Siehst Du! Da steht die Adresse nicht drauf!“

Ich:  „Geh mal bitte zurück.“

Paula:  „Da steht die Adresse nicht drauf. Hier! Ich weiß, dass das der falsche Bus ist, ich war schon mal da!“

Ich: „Gehst du bitte mal auf die andere Seite zurück.“

Sie schließt das Popup-Fenster. Klickt auf den Detail-Busfahrplan der nächsten Verbindung. Langsam wird es spät sie muß zur Schule, ich zur Arbeit.

Ich: „Darf ich mal?“

Paula:  „Nein! Wir müssen den anderen Bus nehmen.“

Ich: „Und dann eine halbe Stunde warten? Darf ich jetzt mal!“

Paula:  „Nein!“

Ich: „Das ist mein Rechner. jetzt lass mich da ran!“

Paula steht wütend auf. „Du glaubst mir ja sowieso nicht!“ Die Tatsache ignorierend, dass SIE gerade MIR nicht glaubt verlässt sie wütend schimpfend das Zimmer und knallt die die Tür zu. Ich rufe ihr noch hinterher: „Das hat gar nichts damit zu tun!“ Selber an Maus und Tastatur sitzend, habe ich schnell den Button gefunden.

Der Bus hält 50 m von unserem Ziel entfernt.

Ich gehe zu Paula und erkläre ihr das, aber sie ist beleidigt. Es entspinnt sich eine absurde Diskussion, dass Eltern ihren Kindern nie glauben, dass Kinder auch den größten Unsinn machen müssen nur weil die Eltern das sagen. (Tausche „Kind“ gegen „Frau“ und „Eltern“ gegen „Mann“ aus und Du bist schlagartig in meine Ehe zurück katapultiert). Ich erkläre, dass es darum nicht geht. Ich bin ihr Vater und noch weiß ich einiges mehr, was sie von mir lernen kann. „Zum Beispiel diesen Fahrplan zu Deinem besten Nutzen anzuwenden, indem Du nicht stumpf darauf beharrt, dass Du das letzte Mal aber einen anderen Bus genommen hast.“ Die Diskussion nimmt an Absurdität zu. Sie will sich nicht in den Arm nehmen lassen. Ist in ihrer Wut gefangen. 

Ich: „Du musst zur Schule.“

Paula:  „Dir ist es ja egal ob ich mich schlecht fühle.“

Ich: „Ist es nicht, und das weißt du auch. Aber meistens sind es nicht die anderen, die Schuld sind, wenn es Dir schlecht geht. Es ist nur so schön einfach die Verantwortung abzugeben. Du könntest dich einfach entschuldigen, dass du mich hier angeschrien hast, wir vertragen uns, und du wirst dich gleich besser fühlen.“

Tja, vor der Schule wollte sie sich nicht darauf einlassen.

Ich wünschte ich könnte jetzt schreiben: Die entschuldigung kam später per SMS.

Aber nein, so einfach ist das mit dem Entschuldigen bei meiner Tochter nicht. Statt dessen sagte sie, als wir um 17:25 aus dem Bus stiegen und sie die Umgebung wieder erkannte:

„Siehst du, Pappy. Das habe ich doch immer gesagt, aber Du willst ja nicht auf mich hören.“ und grinst mich frech an.

Tja, was tut man nicht alles, damit die Tochter mal ein positives Männerbild aufbaut. Sogar akzeptieren, dass sie auch meine Schwächen übernommen hat.

To be continued…

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