Zum Kaukasischen Kreidekreis

Die Geschichte von Brecht oder sein Ursprung bei König Solomon wird von sogenannten Lebensberatern und Coaches gerne  als Mantra runtergebetet, um den am Kindeswohlorientierten Eltern das Loslassen einzureden und somit die Allmacht bindungsintoleranter Eltern zu zementieren. Genau betrachtet ist diese Anekdote leider annähernd gänzlich ungeeignet um daraus so geartete Handlungsanweisungen für Personen in Konflikttrennung abzuleiten.

Wenn Vergleiche hinken müsste der Versuch Rollstuhl fahren dieses Stück auf aktuelle Konflikttrennungen anzuwenden, und allein die Lektüre des Kurzinhaltes bei Wikipedia würde oft schon verhindern, dieses Stück als Parabel auf heutige Trennungssituationen zu verwenden:

1.)    Am augenscheinlichsten ist natürlich die Tatsache dass  es im Stück mitnichten darum geht nicht für sein Kind zu kämpfen. Wenn die soziale Mutter bei Brecht nicht um ihr Kind gekämpft hätte, dann gäbe es keinen kaukasischen Kreidekreis. Dann wäre die biologische Mutter mit ihren geldgierigen Absichten gekommen, hätte gesagt: „Gib mir mein Kind“ und dem Mantra dieser konfliktgeschulten Lebensberater folgend hätte die soziale Mutter dem Kind den Loyalitätskonflikt erspart und das Kind ziehen lassen. Aber nein! Nur weil die fürsorgliche soziale Mutter „ihr Kind“ nicht beim ersten unüberbrückbaren Konflikt mit der biologischen Mutter sausen lässt muss der weise Dorfschreiber Adzak konsultiert werden.

2.)    Die Tatsache dass der weise Richter am Loslassen erkennt wer am Kindeswohl interessiert ist bietet zwei große Unterschiede zu unserer Rechtsprechung.

  1. Unsere Rechtsprechung kennt kein vergleichbare Urteilsfindung wie „Zerreiße dein Kind oder überlasse es der geldgierigen biologischen Mutter.“ Natürlich steckt ein Kind bei einer Konflikttrennung in einem Loyalitätskonflikt. Ist quasi zerrissen zwischen den Eltern, aber das verbessert man nicht dadurch, dass der fürsorgliche Elternteil los lässt und dem bindungsintoleranten Elternteil der weiter zerrt das Kind überlässt. Im Gegenteil  wird dadurch die Zerrissenheit erst endgültig gemacht, denn das Kind darf seinen abgetrennten Elternteil nicht mehr mit jenen Gefühlen begegnen, mit welcher es in einer normalen Familie beiden Elternteilen begegnen darf. Jene Hälfte, die der Elternteil in seiner Entwicklung ausmacht, der durch den bindungsintoleranten Elternteil aus seinem  Leben gerissen wurde, ist entfernt. Insofern dient man nicht dem Kindeswohl wenn man los läßt. Im Gegenteil, im Kopf des Kindes wird sich festmachen: „Ich bin es nicht wert, das mein zweiter Elternteil um mich kämpft“ oder „meine Liebe ist so wertlos, dass mein zweiter Elternteil nicht darum kämpft“
  2. Das Loslassen dient im Stück dem Kindeswohl, weil der Richter erkennt, zu wem er das Kind geben soll. Die deutsche Rechtsprechung funktioniert leider nicht so salomonisch (was ihr auch nicht vorzuwerfen ist), der Elternteil der sein Kind loslässt überlässt es dem neurotischen bindungsintoleranten Elternteil. Das Kindeswohl ist dabei völlig egal. Wie sollten Deutsche Richter auch entscheiden, wenn der Mann den Kampf ums GSR oder ABR sein lässt, um vermeintlich sein Kind zu schützen oder ob er es aus mangelndem Interesse tut. Das sie trotzdem sagen: „Ein so edeler Mann soll er sich künftig um sein Kind kümmern.“ würde sich wahrscheinlich nicht einmal Hollywood trauen, als Happy-End hinter so einen Trennungskonflikt zu schreiben. Der „am Kindeswohl orientierte“ Elternteil vermeidet einen Konflikt, um das Kind für den Rest seines Lebens zu traumatisieren, ansatt sich dafür einzusetzen, dass das Kind ein Leben lang die freie Entscheidung treffen kann, bei welchem Elternteil es sich gerade wohler fühlt. Das ist sicherlich weder im Sinne von Brecht, noch im Interesse des Kindes.

Wenn alle Väter diesem giftigen Einflüsterungen der Lebensberater, Trennungscoaches und Konfliktberater gefolgt wären, hätte niemand seine Klage bis zum EuGH durchgezogen, und das Recht der Kinder auf beiden Elternteile gestärkt. Dann hätte die Politik nicht gemerkt, dass es weder dem Kindeswohl noch der Geburtenrate dient einseitig Partei für die Mutter zu ergreifen, egal wie selbstsüchtig diese manchmal sind, denn das ist wirklich eine Botschaft, welche man aus Brechts Stück auf die aktuellen Konflikttrennungen (die ja zum Glück nur einen Bruchteil gegenüber den  heilen Familiensituationen und einvernehmlichen Trennungen ausmachen) anwenden kann. Es ist nicht immer die biologische Mutter, der es um das Kindeswohl geht. Kinder haben das recht ohne Loyalitätskonflikte und Traumata groß zu werden, und der einzige Weg einem Kind dies zu ermögliche ist der kooperative, bei dem es ohne Schuldgefühle und Loyalitätskonflikte Umgang zu beiden Elternteilen haben kann.

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