Was die Demokratie ertragen muß´….

Am zweiten Juni marschierten sie auf die Rechten. Um den Tag der Zukunft auszurufen und um ihre Ausländerfeindlichen Parolen zu skandieren. Ausgerechnet in Hamburg, der Stadt, die einen Großteil ihres Wohlstandes dem Handel mit diesen Ausländern verdankt, und das vermutlich weil es des Führers Lieblingsstadt gewesen sein soll.

Zum gleichen Zeitpunkt haben sich die Gutmenschen auf dem Hamburger Rathausmarkt getroffen, zur Gesinnungsbeweihräucherung. Um den Braunen die Bunte Karte zu zeigen‘. Schön seine Meinung präsentieren. Als Marketingveranstaltung für das Ausland vielleicht ganz angebracht, aber verhindert hat es nicht, dass die Rechten ihre ewiggestrige Propaganda unter das Volk bringen. Jenen latenten Rassismus welcher sich in Sympathiebekundungen für Thilo Sarazins Rassenthesen zum Ausdruck bringt konnten sie trotzdem düngen. Jene die sich dann hinstellen und sagen: ‚man ist ja nicht ausländerfeindlich, aber es musste ja mal gesagt werden, dass es so nicht geht‘. Man muss nicht glauben dass das rechte Gedankengut nicht auf fruchtbaren Boden fällt, wenn man sie einfach ungehindert und unwidersprochen durch die Straße ziehen lässt. dafür sind die verkaufszahlen für Sarazins debile Rassentheorien viel zu erfolgreich. Und Daran wird auch nichts geändert, wenn am anderen Ende der Stadt die Gutmenschen ihre Gesinnungsdemo abhalten und zu schau stellen das sie sie den braunen Aufmarsch irgendwie nicht gut finden. Sie waren es bestimmt nicht die verhindert haben, dass sich die rechte Fraktion vermutlich nicht noch einmal traut ihren „Tag der Zukunft“ in Hamburg abzuhalten. Nein, daß waren jene 1000, die zivilen Ungehorsam gezeigt haben. Jene, welche die Route der Rechten blockiert haben, und die trotz massiven und nicht gerade deeskalationsförderlichen Aufmarsch der Polizei die Propagandaveranstaltung der Rechten zur peinlichen Lachnummer haben werden lassen.

Um nicht missverstanden zu werden: Ich habe kein Verständnis für jene Krawalltouristen aus Pinneberg, die meinen so eine Gelegenheit benutzen zu müssen, um Autos anzuzünden, und all das zu Tun, was sie in Mamis und Papis Vorgarten nicht dürfen, aber wer die etwas blumige Umformulierung von Pressemitteilungen der Polizei – mit welcher die meistens Journalisten an den tagen nach der Demonstration ihr Geld verdient haben – für die einzige Wahrheit hält, und glaubt das 1000 gewaltbereite Gegendemonstranten nicht mehr zustände gebracht als „nur“ 38 verletzte Polizisten (von denen nur einer seinen den Dienst abbrechen musste). Die Tatsache, dass diese Gegendemo so verhältnismäßig friedlich abgelaufen ist, in einzig und der Allein der Tatsache zu verdanken, dass die meisten Demonstranten sich einfach von der Reiterstaffel haben überreiten und mit Tränengas haben besprühen lassen und mit der Polizei lieber Katz und Maus gespielt haben um jede Alternativroute der Ewiggestriegen genauso in einer Sackgasse haben enden lassen, als der Polizei mit der gleichen physischen Gewalt zu begegnen. Was an solchen Mitteilungen immer besonders auffällt ist, dass nur die Zahl der Verletzten Ordnungshüter angegeben werden, aber keine Zahlen von verletzten Demonstranten. Zum Vergleich: Als wenige Wochen später in der Schule meines Sohnes von übermütigen Teenagern das gleiche Tränengas in der Jungentoilette versprüht wurde, mit welchem die Polizei die Gegendemonstranten eingenebelt hat, wurde in der Mopo berichtete das 38 Schüler ins Krankenhaus gebracht werden mussten. Wer weiß, vielleicht ist es bei einer Demonstration zu schwer zu unterscheiden, wer Demonstrant war, und wer einfach nur dummerweise in der Nähe stand. Vielleicht reicht es bei Demonstranten einfach nicht aus Pfefferspray ins Gesicht gesprüht zu bekommen, um als Verletzt zu gelten. Das reicht höchstens aus um die Opferzahlen der Polizei  in die Höhe zu treiben, wenn wie in der Vergangenheit schon mal passiert, der unsachgemäße Einsatz der eigenen Kampfmittel die Opferrolle zu Polizei aufzupolieren hilft.

Ich bin diesen jungen Menschen auf jeden Fall dankbar. Zu Mindestens jenen, die es nicht für nötig hielten eines der beiden Autos anzuzünden oder Polizisten zu verletzen. Letztendlich tun diese ja auch nur ihren Job, und die meisten nicht mit einem so großen Eifer, wie der Schwarze Block der Sächsischen Eingreiftruppe, welchen vielleicht ein falsches Demokratieverständnis zu Grunde liegt, wenn sie meinen ihren braunen sächsischen Parlamentariern den Weg frei Knüppeln zu müssen.

Letztendlich haben diese jungen Leute durch ihren überwiegend friedlichen Einsatz den Aufmarsch der Rechten zu einer so peinlichen Lachnummer haben werden lassen, so das sie es sich hoffentlich nicht mehr einfallen lassen eine so weltoffene und lebenswerte Stadt wie Hamburg für ihren Aufmarsch zu missbrauchen.

Die toleranten Demokratieverfechter die sagen, das die Demokratie solch einen Aufmarsch ertragen können muss haben natürlich recht.  Selbstverständlich muß die Demokratie auch so eine Gesinnung ertragen können, aber dass heißt nicht,  daß die Menschen, welche in ihr Leben, es widerspruchslos hinnehmen müssen.

DAS ist es nämlich was die Demokratie wirklich ertragen muss, das es Meinungskonflikte gibt, die per Demonstration und Gegendemonstration auf der Straße ausgetragen werden. Und es kann hier nicht Aufgabe der Polizei sein, nur weil ein Gericht diese Demonstration genehmigt hat diese mit Gewalt durch zu knüppeln wie es an diesem Sonntag versucht wurde.

Fast noch erschreckender ist es da mitzuerleben wie einseitig das gezeichnete Bild in der bürgerlichen Presse ist. ihren Anspruch als vierte Macht, als Kontrollinstrument des Staates ist die Presse durch Abtippen von Pressemitteilungen der Polizei jedenfalls nicht nach gekommen. Abgesehen von der Hamburger Morgenpost, hat sich keine Zeitung bemüht ihrem Journalistischen Auftrag gerecht zu werden.

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