Vom Fischer und syn Feminist

Ralf Bönt hatte im Juli 2013 einen sicherlich ziemlich zutreffenden Artikel zum Stand des Geschlechterkampfes geschrieben. Es geht um die voranschreitende Benachteiligung des Mannes. Leider verfällt der Artikel gelegentlich dem eigentlich doch den Feministinnen vorbehaltenen Opfergejammere, so als wäre der größte Gleichberechtigungsbeweis für Herrn Bönt die Einführung eines Männlichen Opferabos. Dabei übersieht er aber ein kleines aber kritisches Problem, welches in den aktuellen genderkritischen Diskussionen aufkommt: Nämlich inwiefern Männer wirklich Opfer der Gerichte und des Feminismusses sind, oder inwiefern (wie ich es Frauen mit jenem Jammertremolo gerne an den Kopf werfe) es nicht auch selbstverschuldetes Elend ist. Das mag hart klingen, denn ich glaube es diesen Männern auch gerne, dass sie sich alle Mühe gegeben haben der Männlichen Rolle als Familienernährers und, wo dann noch Zeit war, auch Bezugsperson für die Familie gerecht zu werden, aber letztendlich zeigt sich hier das größte Problem, welches Männer heute haben: WENN sie überhaupt Opfer sind, dann sind sie Opfer der Tatsache, dass sich in den letzten Jahrzehnten niemand mal die Mühe gemacht hat zu definieren was Männer sein wollen, sollen oder können, und zwar unabhängig von den Bedürfnissen der Frauen.

Während bei den Frauen in den letzten dreißig Jahren rauf und runter definiert wurde, was eine moderne Frau – unabhängig von den Bedürfnissen der Männer –  sein kann, so das sich Frauen schon über diesen Definitionswahn beschwerten und ein Feminismusmoratorium gefordert haben, hat sich bei den Männern nie wirklich jemand in der öffentlichen Diskussion darüber Gedanken gemacht. Letztendlich kann eine Frau heute alles tun. Sie hat die größtmögliche Entscheidungsfreiheit in ihrer Familienplanung. Sie kann sich für eine Karriere entscheiden. Sie kann sich für die klassische Familienrolle entscheiden. sie kann alles miteinander kombinieren. Selbst ohne Partner ein Kind groß zu ziehen ist kein so großes Drama mehr wie es dass nicht vor fünfzig Jahren war und jede Menge Webseiten geben Frauen auch reichlich Tipps, wie sie die bestehende Rechtslage ausnutzen können um die Einflussnahme des penistragenden Familienfinanzierers zu unterbinden.

Männer hingegen (so sie auch nur im Entferntesten an so etwas wie Familie dachten) haben sich in der öffentlichen Diskussion hauptsächlich über die Bedürfnisse der Frau definiert. Herbert Grönemeyer brachte es in den Achtzigern schon sehr gut auf den Punkt, als er die Quadratur des Kreises in seinem „Männer“ beschrieb, und letztendlich haben die meisten Männer die ich kenne, die in dieser Zeit sozialisiert wurde, genau das Problem für sich zu entscheiden, wie sie ihr Leben führen wollten. Meine Mutter sagte mir mal: „Ihr werdet die Generation von Männern sein, die wir gerne als Partner gehabt hätten.“ Als Scheidungskind mit nur noch einer Bezugsperson habe ich es auch durchaus probiert, diesem Anspruch gerecht zu werden, bis ich dann feststellen musste, dass das kein Garant ist, nicht trotzdem als aussortierter, mit Schimpftiraden überzogener Ex-Mann zu enden. Rückblickend möchte ich meiner Mutter dazu einfach nur sagen: „Vielleicht solltet ihr euch mal klar machen, was ihr eigentlich zu eurem Glück braucht. Und wenn die Welt euch das nicht bietet, arbeitet an den Bedürfnissen, und macht nicht einfach euren Partner dafür verantwortlich, wenn ihr das nicht bekommt.“ Ich muss dabei immer an das Märchen vom Fischer und Syn Frau denken, denn ohne die nötige Selbstreflexion kann sich jedes Geschlecht hier wunderbar wiederfinden und gleichermaßen jammern und klagen.

Natürlich kann sich der Mann am Ende hinstellen, und sagen. „Ich habe mir den Arsch aufgerissen um alles richtig zu machen. Ich bin x Mal zu dem Fisch gegangen und habe alles besorgt was meine Frau wollte, bis wir am ende, wegen ihrer unersättlichen Gier wieder in unserer Blechdose saßen.“

Kann man so sehen, aber hätte es so sein müssen?

Ja, und die Frau? „Ohne mich hätte der beruflich gar nichts auf die Reihe bekommen. So wenig Ehrgeiz, hätte der doch jede Chance sausen lassen, mal was aus seinem Leben zu machen. Nur durch mich hat er den fisch gemolken. Dann hätten wir die ganze Zeit in der Blechdose gesessen und nie unser gemütliches Heim im Grünen, unseren Palast und unseren Kaiserthron gehabt.“ und als moderne frau und Mutter hätte sie vielleicht noch hinzugefügt „Und dann hat er weder für mich noch für die Kinder Zeit gehabt“.

Letztendlich zeigt dieses Märchen die großen Chancen im Miteinander der Geschlechter, denn letztendlich ist der Fischer durchaus etwas motivationslos, leicht zufrieden zu stellen und hätte aus seinen „Fähigkeiten“ nicht einmal ein gemütliches Haus im Grünen gemacht, aber anstatt seiner Frau mal beizeiten klar zu machen, dass es reicht, und dass man doch lieber mit seinem kleinen Haus im Grünen zufrieden sein sollte um lieber etwas mehr zeit für einander zu haben, spielt der Fischer dieses Spiel mit. Ebenso wie viele Männer die vielleicht auch nur anhand der weiblichen Bedürfnisse sozialisiert wurden, und sich zum Schluss wundern, dass sie ohne irgendetwas da stehen.

Die größten Katastrophen passieren, wenn Bedürfnisse nicht gleichberechtigt berücksichtigt werden. Und gleichberechtigt geht es überhaupt nicht im Hause Fischer zu.

Das Problem dieser Fischer-Männer, welche im Feminismus sozialisiert wurden ist einfach, dass sie das Anmelden eigener Bedürfnisse mit dem Egoismus vergangener patriarchaler Generationen verwechseln. In der öffentlichen Diskussion wurden männliche Bedürfnisse und Zukunftsvorstellungen nie ernsthaft als Optionsmodell behandelt, wo ein Mann auch jenseits der Rolle des wunscherfüllenden Fischers irgendwelche Interessen anmelden durfte (oder diese liefen als Negativbeispiel auf billiger Cliche Ebene ab, wie „ein schnelles Auto kaufen“, „Bier trinken“, etc.).

Letztendlich kann sich der Fischer im Märchen nicht beklagen. Er hätte schließlich jederzeit „Nein“ sagen können. Er hätte Ilsebyl mit ihrem Kaiserpalast in den Windschießen können, noch ein letztenmal zum Fisch gehen und mal einen eigenen Wunsch anmelden können, wie „ich wünsche mir ein Haus und eine bescheidene Frau die darin glücklich werden kann“ und er hätte glücklich werden können und die unzufriedene Ilsebil im Palast sitzen gelassen.

Aber dass er sich vielleicht auch ein Lebenskonzept erstellen darf, scheint im Weltbild des Fischers nicht möglich zu sein.

Heutzutage würde man vermuten, dass er nur deshalb gefügig ist, weil er gelernt hat die Bedürfnisse seiner Frau ernst zu nehmen, oder weil er befürchten muss, dass sie sich sonst von ihm trennt, und er aufgrund der jahrelang sehr mutterfreundlichen Rechtsprechungen Angst hat, dass eine Trennung ihn vollends ruiniert und er ein weiteres Opfer des Parent Alienation Abuse wird. Wenn er aber jetzt nur den Gerichten, oder Frau Ilsebil die Schuld gibt, begeht er leider einen ähnlichen Fehler wie Frauen es oft tun, wenn sie ihr Opferabo über Gebühr in Anspruch nehmen: Er übernimmt nicht die Verantwortung für seine Entscheidung. Er hätte  auch einfach vorher mal sein eigenes Bedürfnis definieren können, und entsprechend (ver)handeln. Und hier hat die öffentliche Diskussion bislang leider grandios versagt, wenn es darum geht Optionen und Möglichkeiten für moderne männliche Rollenbilder zu definieren. Wenn mal wieder in einem Artikel „Der moderne Mann“ gesprochen wird scheint es sich dabei mehr oder weniger darum zu gehen, einfach nur die Eigenschaften der Frau zu nehmen, einige als böse verschriene männliche Eigenschaften zu entfernen und aus dem Rest eine ungesunde Pampe aus Geschlechtslosigkeit zu rühren, um Gatekeependen Müttern die Angst vor der Erziehung durch das andere Geschlecht zu nehmen.

Was sich der Fischer und viele andere, über sexuelle Benachteiligungen klagende Männer einfach mal klar machen sollten: Oft ist ihr Elend selbstverschuldet und bevor sie über die Ungerechtigkeit der Gesellschaft klagen sollten sie erst mal schauen, wo sie sich hätten anders verhalten können. Der einzige Punkt wo ich Männern einen gewissen Opferstatus zubillige, dass sich in den letzten Jahrzehnten in den Medien mal Gedanken darüber gemacht, was ein Mann ist, was er sein kann, und weshalb es gut ist, dass er nicht wie eine zweite Frau agiert, sprich. Niemand hat sich die Mühe gemacht den Männern mal das zu geben, was Frauen durch den Feminismus der letzten Jahrzehnte definitiv hatten: Eine Inspiration welche Optionen ihnen offen stehen, und den Erwartungsdruck des Partners. Deshalb ist es leider verständlich, dass Männer sich selten mal die Frage gestellt haben: „Was will ICH als Mann von meinem (Familie-)Leben.“ mal so unabhängig von allen anderen gefragt. Letztendlich fehlt diesen Männern an einem Rollenvorbild und dieser Mangel lässt Männer heutzutage vor Familienplanung, Gericht und Jugendamt oft eher hilflos dastehen.

Letztendlich ist es weniger das Problem, dass Frauen in alten Rollencliches festhängen sobald Kinder in Familienleben kommen, letztendlich ist das Problem, dass Männer das zulassen.

Ich habe mal einen interessanten Artikel über moderne Väter gelesen. (Leider habe ich keine Quelle. Es war in der „Psychologie Heute“ zwischen 2001 und 2003). Dort wurde eine Studie zitiert in der es darum ging, dass heutige Väter vor der Geburt mehr Ambitionen haben, als Vaterfigur präsent zu sein, als sie es nach der Geburt wirklich tun. Letztendlich geht es diesen Männern hier ähnlich wie dem Fischer. Ob sie als Vater präsent sein wollen oder nicht, ist letztendlich ihre Entscheidung und es ist ihre Aufgabe dafür zu sorgen sie umzusetzen und sich dann nicht in in die klassische Familienernähererrolle drängen zu lassen. Und solange wir nicht auch im familiären Bereich eine Gleichberechtigung haben brauchen wir auch keine „Chance Mann“ Werbeaktionen, in denen Männer in schlecht bezahlte Erzieher und Pflegejobs gedrängt werden sollen, denn solange bei der ersten Überlegung zur Familienplanung auch von weiblicher Seite darauf geschaut wird, ob sich der Erzeuger auch zum Familienernährer eignet, brauchen wir gar nicht darüber nachzudenken, ob sich Männer in Scharen in die klassischen Frauenberufe drängen und auf diese Weise die Gender Pay Gap von oben nach Unten schließen.

Letztendlich muss die Familiengesetzgebung einen Rahmen schaffen, der es auch Männern erlaubt frei entscheiden zu können, wie sie ihr Familienleben planen wollen, ebenso, wie das in den letzten Jahrzehnten für das Geschäftsleben bei den Frauen passiert ist.

Frauen wollen Gleichberechtigt sein?

Wunderbar.

Niemand profitiert mehr von einer gleichberechtigten und selbstbewussten Frau, als ein selbstbewusster Mann, der weiß, was er für sich in seinem Leben will, denn gleich Rechte heißt auch gleiche Pflichten. und wenn die Pflichten nicht mehr auf seiner Schulter liegen kann auch der Mann sich auch viel freier überlegen, was man mit seinem Leben anfangen will.  Natürlich bedeutet das Kompromissbereitschaft oder somit eine gewisse Einschränkung der Wahlfreiheit bedeutet, aber in einer gleichberichtigten Beziehung halt von beiden Seiten.

Niemand hat gesagt, dass es einfach ist selbstverantwortlich zu sein, und nicht mehr einfach dem anderen Geschlecht die Schuld für die eigene Misere in die Schuhe schieben zu können, aber letztendlich gehört das zum Erwachsenwerden dazu.

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