Liebe Tanja – Antwort auf den offenen Brief einer ehemaligen Prostituierten

Ich ekelte mich vor Euch und Euren Fantasien
http://www.welt.de/vermischtes/article123793374/Ich-ekelte-mich-vor-Euch-und-Euren-Fantasien.html

Ich weiß, es ist nicht ganz höflich auf Briefe zu Antworten, die nicht an einen geschrieben waren, und du wolltest ja mit dem Brief mit deinen ehemaligen Freiern abrechnen. Jenen Mistkerlen, die wegen deines Körpers und deines Schauspieltalents und nicht wegen deiner Persönlichkeit deine Kunden wurden und zu denen gehöre ich ja nicht. Ich bin auch in der glücklichen Situation, mich nicht als Freier generell von dir persönlich beleidigt zu fühlen, denn ich habe doch nie das Bedürfnis verspürt für Sex bezahlen zu müssen.

Das Einzige, was mich beschäftigt hat, war, schnelles Geld zu verdienen.

Um es vorweg zu sagen: Ich kann es ja verstehen, dass du jetzt, wo deine zehnjährige Tochter über das Internet von deiner Art der Studiumsfinanzierung erfahren hat, beschämt bist, dass du vor 13 Jahren eher an das schnelle Geld gedacht hast, als an den Eindruck, den Du damit später mal bei deinem Kind hinterlassen könntest, und ich kann mir schon vorstellen, dass man sich dann Sorgen macht, die Tochter könnte glauben, dass das vielleicht eine legitime Art der Studienfinanzierung ist.

Du wirst es vielleicht nicht glauben. ich stand auch schon vor einer vergleichbaren Entscheidung zum schnellen Geld. Am Ende meiner Schulzeit, kurz vor dem Studium bot mir mein homosexueller Vorgesetzte in meinem Schülerjob 500 Mark, einen Führerschein und ein Auto, wenn ich ihn an meinen jungfräulichen 18 Jährigen Adonis-Hintern gelassen hätte, aber ich habe mir dann doch mein Auto und Führerschein doch lieber zehn Jahre später auf eine Art und Weise verdient, für die ich mich nicht vor meinen Kindern schämen muss. Das ging auch. Und noch weniger käme es mir in den Sinn (falls ich mich anders entschieden hätte) die Schuld für meine Entscheidung bei diesem – jenseits seiner sexuellen Begierden – sehr netten Menschen abzuladen. egal wie körperlich unattraktiv er war, denn es wäre meine eigene Entscheidung gewesen „ja“ zu sagen, ebenso wie es meine Entscheidung war „Nein“ zu sagen. Ich glaube auch nicht, dass man seinem Kind als gutes Beispiel dient, wenn man einfach die Verantwortung für seine eigene Entscheidung so ablehnt und behauptet „Die Prostituierten existieren nur, weil Männer wie Du sich berechtigt fühlen, ihre sexuellen Bedürfnisse in den Körperöffnungen anderer Menschen zu befriedigen“. „Es gehören immer zwei dazu.“ ist ein ungemein populärer Satz, wenn Frauen damit die Verantwortung für ihre zweifelhaften Entscheidungen wenigstens zum Teil beim Mann abladen können. Aber er gilt genauso für Dich und deine Freier, und wenn du Dich darüber beklagst, dass darunter so viele verheiratete Männer darunter waren gilt er ebenso für diese und deren Ehefrauen.

Weswegen ich also – obwohl ich eigentlich nicht von dir Angesprochen wurde – trotzdem auf diesen Brief antworte, ist, dass ich es einfach erbärmlich finde wie du dich als Frau hinstellst und versuchst alle Verantwortung auf die bösen Männer, abzuschieben, als hätte die Tatsache dass du dich damals für das schnelle Geld entschieden hast, so rein gar nichts mit deinem Verantwortungsbereich zu tun.

Es gibt von Nietzsche das Schöne Zitat:

„Das habe ich getan“, sagt mein Gedächtnis. „Das kann ich nicht getan haben“, sagt mein Stolz und bleibt unerbittlich. Endlich – gibt das Gedächtnis nach.“

Erwachsen sein bedeutet Verantwortung für seine Leben zu übernehmen und das wiederum heißt in dem von Nitzsche beschriebenen Zweikampf öfter mal das Gedächtnis gewinnen zu lassen, auch bei Dingen, die einem doch sehr gegen den Stolz gehen und deine Tochter würde vielleicht mehr aus deiner Vergangenheit lernen, wenn Du die Verantwortung dafür nicht so einfach auf die ekeligen Freier abschieben abschieben würdest, sondern zu den Fehlern deiner früheren Entscheidungen zu stehen und zu erklären würdest, warum deine Entscheidung eine falsche war. Das Abschieben der Verantwortung wie du es hier betreibst, gibt deiner Tochter das Gefühl lässt deine Entscheidung zur Prostitution prinzipiell legitim und richtig war, wenn die Freier nur einfühlsamer und an dir als Person interessiert gewesen wären. Das ist so, als würdest du bei McDonalds arbeiten und dich beschweren, dass du da nur minderwertige Lebensmittel über den Tresen schiebst, weil die Kunden nicht lieber einen Demeter Veggi-Bürger kaufen wollen. Der Kern der Prostitution ist, dass die Männer dafür bezahlen, damit sie das Gefühl vermittelt bekommen einen netter begehrenswerter Typ zu sein. Deinen Kunden für das Bedürfnis für das er bezahlt, blind vor die Füße zu kotzen, verweigert natürlich jegliche Auseinandersetzung mit deiner eigenen Verantwortung. Da wundert es natürlich nicht, dass die Fachzeitschrift für weibliche Verantwortungslosigkeit „Emma“ dich mit deinem weiblichen Opfergejammer zum Postergirl ihrer „No Prostitution“ Kampange macht oder zu mindestens als bewundernswerte Vorzeige ex-Hure herumreicht, denn der Feminismus Emmascher Ausprägung, zeichnet sich ja nur bedingt für sein Streben nach gleicher Verteilung der Verantwortung aus. Dass Frauen für gleiche Rechte die gleiche Verantwortung tragen oder gleiche Leistung bringen müssen, scheint diesen Feministinnen unvorstellbar. Frauen wie Du sind leider dafür verantwortlich, dass Männer heute einen Brechreiz verspüren, wenn sie das Wort Gleichberechtigung hören, denn Frauen wie dir geht es um feministische Rosinenpickerei und nicht um Gleichberechtigung.

Nur doch so als abschließenden Tipp:  Es gibt auch Menschen, die Verdienen ihr Studium, als Kellnerin oder wie in meinem Fall als Film Vorführer im Kino, und ich hoffe ehrlich, dass die Bedienung meiner Lieblingsstudentenkneipe nicht irgendwann auf die Idee kommt die Verantwortung für ihre Entscheidung zur Finanzierung des Studiums auf deine Art und Weise zu verweigern und plötzlich mit einem offenen Brief dieser Art Wellen schlägt:

„Lieber Kneipen-Kunde,
falls Du glaubst, dass ich jemals Lust auf Dich hatte, liegst Du schrecklich falsch. Nicht ein einziges Mal bin ich mit Lust zu meinem Job gegangen. Das Einzige, was mich beschäftigt hat, war, schnelles Geld zu verdienen. Verwechsle das nicht mit leicht, denn leicht war das nicht. Aber schnell, ja. Weil ich viele Tricks lernte, wie Du so schnell wie möglich zufrieden bist, so dass ich dich so schnell wie möglich wieder loswerden konnte mit einem möglichst großzügigen Trinkgeld.Wenn Du gelobst hast wie schnell und zuverlässig ich meinen Job erledigt habe, wie nett ich immer war, hättest Du genauso gut auf mich spucken können. Du hast nicht den Menschen dahinter gesehen… Ich habe dich verachtet wie du dich von mir hast bedienen lassen, als wäre ich deine Mutti…“

Nein ich glaube nicht, dass sie das macht. Sie wirkt ziemlich selbst- und verantwortungsbewust. Vermutlich wird sie sich sagen „Was solls ich war jung und brauchte das Geld, ich hätte ja auch auf was anständiges lernen können, womit ich auf die schnelle mein Studium finanziere.“  Was bin ich Glücklich, dass es auch noch Frauen gibt, die Gleichberechtigung nicht als feministische Rosinenpickerei begreifen.

Und zum Abschluß noch einmal die Frage. Was hättest du denn eigentlich gemacht, wenn es die alten geilen Männer nicht gegeben hätten, die jetzt die Verantwortung für deinen Griff nach dem schnellen Geld haben. Auf dem Schulhof mit Drogen gedealt? Zu mindestens hättest du dafür genau die gleiche faule Ausrede benutzen können, wenn deine Tochter zehn Jahre später dahinter kommt. „Alles die Schuld derr blöden Junkies. Wenn die nicht die Ware gekauft hätten, die ich anbieten konnte, hätte ich das nie machen müssen.“ Denk mal drüber nach, bevor du das nächste Mal so blind die Verantwortung für deine Entscheidungen anderen in die Schuhe schieben willst.

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2 Antworten auf “Liebe Tanja – Antwort auf den offenen Brief einer ehemaligen Prostituierten”

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