Der Liebster Award – Teil II

Wie schon gesagt, wurde ich auch von Melanie Matzies-Köhler vom Kunterbunter Patchworkfamily-Blog für den Liebster Award nominiert, die sich schwerpunkt mäßig aus der weiblichen sicht an das Phänomen Patchwork-Familie herantastet und viele gute Ratschläge zum Überleben in der Patchfamilie bietet. Wer ist denn nun der „Liebster Award“? Ganz einfach, es ist eine Auszeichnung, welche von einem Blogger zum Nächsten weitergereicht wird. Sie sagt aus: „Hallo, Dein Blog ist klasse, inspiriert mich, ich lese ihn gerne und jetzt möchte ich mehr über Dich erfahren.“ Die Regeln: Wenn du nominiert wirst, bekommst du 11 Fragen gestellt. Dazu schreibst du einen Blogpost und erklärst das Ganze natürlich auch. Du verlinkst denjenigen, der dich nominiert hat in deinem Post. Du überlegst dir selbst 11 Fragen und gibst sie weiter, nämlich an 3 – 6 Blogger, vorzugsweise Neulinge. Diese verlinkst du unter deinem Post und informierst sie persönlich darüber.

1. Bist du eher ein visueller, akustischer oder taktiler Typ?

Naja, ich wollte mal Filmemacher werden, und habe die Hälfte meiner Freizeit nach dem zehnten Lebensjahr im Kino verbracht. Insofern bin ich sehr visuell. Allerdings haben meine Musikergehversuche nach dem Abi durchaus auch meine akustische Orientierung geprägt.

Deshalb sehe ich die meisten Filme mittlerweile nur noch in der Originalfassung, denn meistens wird dabei so viel mehr Information transportiert

2. Gibt es etwas, was dich im Leben immer schon angetrieben hat?

Leider bin ich mit einer erstaunlichen Genügsamkeit „gesegnet“. Obwohl ich in einer Fussballerfamilie groß wurde, und mir von allen Seiten großes Talent bestätigt wurde, hatte ich hier nie Interesse Profi zu werden, Ebenso wenig bei der Leichtathletik, wo ich gerne von der Leichtathletikabteilung meines Sportvereines für Mannschaftswettkämpfe für alle Sprintstrecken in Boot geholt wurde und mit dem Leistungskurs Sport einer Nachbarschule spontan beim Zehnkampf mitgemacht und gewonnen habe.

Seit dem ich selber Kinder habe, die ebenso wie ich eine unschöne Trennung erleben durften habe ich hier einen Antrieb. Kindern so etwas zu ersparen. Nachdem ich in den letzten Jahren erstmal dafür gesorgt habe, dass bei uns jetzt rund läuft und in Internetselbsthilfegruppen versuche Männern Tipps zu geben wie sie eine gedeihliche Lösung für ihre Kinder finden (ist schon faszinierend, was das richtige Auftreten beim Jugendamt so ausmachen kann), werde ich im Laufe dieses Jahres hier auch meinen beruflichen Schwerpunkt suchen.

3. Glaubst du an ein Leben nach dem Tod?

Ach seitdem ich im Philosophiestudium das Thomas Nagel-Seminar zum Thema „Was ist eine Person“ und dem Existenzphilosophischen Seminar, in dem Prof. Dr. Künne sich offensichtlich einen Spaß daraus machen wollte Studienanfänger in die Existenzkrise zu treiben, bin ich bei dieser Frage relativ entspannt. Prinzipiell glaube ich dass die Welt eine bessere wird, wenn man sich zu mindestens der Möglichkeit eines Lebens nach dem Tod nicht verweigert und da wir, selbst wenn es ein wirkliches „Leben nach dem Tod“ nicht geben sollte, durch die Konsequenzen unserer Taten weiterleben, finde ich es netter mit dem Gefühl zu leben, dass die Konsequenzen meines Lebens nicht unnötig negativ sind. Das heißt natürlich nicht, dass man nicht mal jemanden vor den Kopf stoßen oder seiner Grenzen verweisen sollte, denn  das kann die Welt durchaus zu einem besseren Platz machen.

4. Würdest du dich als spirituell bezeichnen?

Ja, und ich weiß, dass ich fast jedes Mal, wenn es mir dreckig geht, diesen Teil meines Wesens vernachlässigt habe.

5. Was macht menschliche Vielfalt für dich aus?

Vielleicht denke ich jetzt zu einfach oder zu kompliziert. Menschliche Vielfalt ist letztendlich das, was das Leben und die Evolution ausmacht. Manchmal die Basis großen Ärgernisses und manchmal der beste Grund um an einen Gott zu glauben. Und das ärgerlichste daran ist, dass man aus seiner beschränkten Perspektive heraus manchmal das eine vom anderen nicht unterscheiden kann.

6. Welchen Stellenwert hat deine Familie in deinem Leben?

Da ich ja aus einer ziemlich verkorksten Familie komme, hat sie einen unglaublich wichtigen Stellenwert. Egal wie negativ die Entscheidung für meine Kinder meinen beruflichen Werdegang beeinflusst hat, waren sie die besten Entscheidungen meines Lebens, und ich bin echt dankbar, dass ich jetzt eine Frau habe die Familie auch mal als das erlebt hat. Vorher habe ich jahrelang förmlich einen Radar für Frauen gehabt, die mit verkorkstem Vaterbild oder ähnlichen Trümmerfamilien groß geworden sind. Vermutlich war ich vorher noch nicht reif dafür.

7. Hattest du als Kind/Jugendlicher ein Idol oder sonstiges Vorbild?

Nicht wirklich. als Kind stand ich auf „Krieg der Sterne“ und „Der Dieb von Bagdad“ und die Tatsache, dass Jean-Paul Belmondo alle seine Stunts selber erledigte, hat mich schon als 8-9 jähriger beeindruckt. Als Jugendlicher fand ich Clint Eastwood Klasse, vermutlich weil er im Gegensatz zu so Pappnasen wie Sylvester Stallone so unglaublich in sich ruhte, als könnten sie ihn alle mal, was wohl manchmal auf meine Ausstrahlung und mein Verhältnis zum Finanzamt abgefärbt hat. Im Studium habe ich dann John Cage für mich entdeckt. Der hat finde ich eine großartige Gelassenheit und Weisheit beim Herangehen an Kunst gehabt. Ich liebe die Anekdote, wie er seine Schönbergklasse verlassen hat, weil er dessen Harmonielehreversessenheit doof fand, worauf Schönberg ihm gesagt hat: „Wenn Sie das nicht lernen, werden Sie Zeit ihres Lebens gegen eine Wand rennen“ Darauf Cages Antwort: „Dann werde ich halt Zeit meines Lebens gegen diese Wand rennen, bis ich sie kaputt gemacht habe“. Es war ein echt beeindruckendes Erlebnis neben ihn in Zürich zu sitzen und einer Aufführung seiner Werke zu lauschen (Ein Stück für Laub und Pilze, oder so). Ich hätte mich da gerne als Groupie geoutet, aber in seiner Gegenwart wäre alles was ich hätte sagen können, so profan gewesen. Letztendlich ist seine Musik, der beste weg sich psychedelische Drogen zu sparen und die Sinne zu öffnen und außerdem ein guter Weg um sich mit dem Buddhismus auseinanderzusetzen.

8. Glaubst du, dass Kinder eher Grenzen oder eher viel Freiheit brauchen?

Kinder brauchen erstmal Orientierung, damit sie mit der ganzen Freiheit etwas anfangen können. Aber diese Orientierung bekommen sie nur, wenn sie darauf vertrauen, dass die Richtschnüre, die man als Eltern spannt, ihre Interessenwelt berücksichtigen. Mein Sohn hat mir mal ein schönes Kompliment gemacht, und ich hoffe dass ich dem immer noch oft genug gerecht werde. Er sagte: „Das Tolle an dir ist, dass du dabei auch mich berücksichtigst und dir wirklich etwas dabei denkst, wenn du mir etwas verbietest.“ Das Großartige wenn man diesen Vertrauenszustand erreicht hat ist, dass man im Grunde genommen nichts verbietet, sondern Ratschläge erteilt. Letztendlich werden die Kinder nicht alle annehmen, aber der Vorteil ist, dass die Kinder trotzdem mit einem drüber reden können. Wenn ich manchmal auf Elternabenden sitze und andere Eltern reden höre, habe ich das Gefühl, die wissen gar nicht was ihre Kinder so treiben, denn natürlich werden auch die typischen Elternverbote gelegentlich genauso ignoriert wie meine Ratschläge. Das Dilemma, was diese Kinder nur haben, ist dass sie mit ihren Eltern nicht mehr darüber reden können und mit ihren vielleicht negativen Erfahrungen dann alleine da stehen. Ich habevon dem ersten Bier und der ersten Zigarette wenigstens von meinen Kindern erfahren und nicht von den Lehrern. Wenn meine Kinder bei mir einen Videoabend machen ist es schon beeindruckend wie fachmännisch ihre Klassenkameraden über die Filme meiner Sammlung diskutieren können. Auch über die nicht jugendfreien Werke wissen die mehr, als man nur vom Hörensagen der großen Brüder kennt. Es tut mir dann natürlich immer leid als Spielverderber auftreten zu müssen, wenn ich sage: „Filme ab 16 nur mit Zustimmung eurer Eltern.“ Leider habe ich manchmal den Eindruck, diese haben entweder eine vollkommen langweile Jugend erlebt, oder sie wollen ihre wilden Erfahrungen aus dieser zeit ihrer Kindern vorenthalten. Ich vermute spätestens wenn die Erwartungen an die Leistungen der Kinder wachsen, und die Angst die Kinder könnten auf die schiefe Bahn geraten bewahrheitet sich hier offenbar das alte Nietzsche-Zitat: „«Das habe ich getan», sagt mein Gedächtnis. «Das kann ich nicht getan haben», sagt mein Stolz und bleibt unerbittlich. Endlich – gibt das Gedächtnis nach.“

9. Warum schreibst du genau diesen und keinen anderen Blog?

Ich schreibe ja auch noch andere Blogs, aber diesen schreibe ich weil mir das Familienthema und vor allem die Rolle des Vaters sehr am Herzen liegen. Ich glaube wir leben hier immer noch in den Nachwehen des zweiten Weltkrieges, (der mehr Halbwaisen produziert hat, als die gegenwärtige Scheidungsindustrie). Da ist eine ganze Generation ohne positives Vaterbild großgeworden. Väter waren zum großen Teil entweder tot oder fronttraumatisiert. Wie sollen deren Kinder irgendein positives Männer- bzw. Vaterbild vermittelt bekommen haben? Das pflanzt sich in den Generationen fort. Einer der für mich bewegendsten Momente mit meinem Vater war, als ich mich, nachdem ich die  17 Jahre dauernde Kontaktsperre aufgehoben habe, mal mit ihm über Vaterlosigkeit unterhalten habe und wie sich die bei mir ausgewirkt hat, denn letztendlich bin ich spätestens nach der Scheidung ohne Vatervorbild aufgewachsen. Plötzlich sagte mein Vater: „Ja und wenn man selber ohne Vater aufgewachsen ist, wie soll man da wissen, wie man sich da zu verhalten hat.“ Klar, sein Vater ist nach dem Krieg auch nicht nach Hause gekommen. Er ist allerdings nicht gefallen, sondern hat sich danach verpisst, vermutlich weil er sich angesichts des Schreckens an der Front gefragt hat, was er mit seinem Leben noch anstellen will und so hat er mit einer anderen Frau eine neue Existenz aufgebaut. Weit weg von seiner ersten Frau und seinen ersten beiden Jungen. Mein Vater ist dann alleine bei einer Alkoholikerin aufgewachsen und musste alleine zusehen, wie er klar kommt. Kein Wunder, dass er das Muster seines Vaters wiederholt hat. Insofern gibt es da noch viel aufzuarbeiten, aber für die Generation unserer Eltern war, wie meine Mutter das mal ausdrückte, eine Therapie ein Makel fürs Leben. Ich bin dankbar, dass ich aufgrund meiner Kindheitserfahrungen den Weg meines Vaters nie für gangbar hielt. Insofern kann man auch aus schlechten Erfahrungen etwas Gutes ziehen.

10. Wärst du gern unsterblich?

Nein, ich wüsste nicht was daran reizvoll sein soll. Die meisten Menschen wissen schon mit einer Lebensspanne kaum etwas Sinnvolles anzufangen. Ich glaube mit dem Leben ist es ähnlich wie mit dem sehr großartigen Schokoladeneis, welches ich mal in einem legendären Eiscafé in Paris gegessen habe. Die Tatsache, dass das ein bemerkenswertes Geschmackserlebnis war liegt darin begründet, dass ich dieses Eis nicht endlos zur Verfügung steht. Letztendlich ist es mit dem Leben ähnlich. Endlose Verfügbarkeit würde das Erlebnis und die Besonderheiten meiner Meinung nach irgendwann entwerten. Aber es gibt einen sehr interessanten Film der sich mit dieser Frage auseinandersetzt. Den würde ich gerne mal im Theater inszenieren:

11. Wenn du auf dein bisheriges Leben zurück blickst: Was war das bislang wesentlichste Ereignis?

Also wenn ich mich auf die Top 3 beschränken könnte in chronologischer Reihenfolge:
Die Premiere von meinem ersten längeren Film „Der Verwaltungsoberinspektor“, für den ich Matthias Fuchs und Ulrike Grote als Schauspieler bekommen konnte.

Die Premiere von meinem Tanztheaterstück „Etwas über Tiere“, wobei das Video hier leider noch eine unvollständige Work in Progress Aufführung ist.

Die Geburt meines Sohnes, aber nicht weil ich ihn lieber habe, als seine Schwester. Genaugenommen war ihre Geburt auf andere Weise sogar beeindruckender, weil ich von der Hebamme viel mehr involviert wurde. Aber er war halt der Erste und beim erste Mal war der natürliche Drogenrausch noch etwas größer.

So nun zum größeren Problem, die meisten meiner bekannten Blogger sind bereits nominiert worden und Volker Schönenberger vom Blog „Die Nacht der lebenden Texte“ hat schon angekündigt hat, dass er nicht antworten würde. Insofern bleibe ich eine weitere Nominierung erstmal schuldig, da ich bezweifle, dass ich Fragen finden würde mit denen eine Frau wie Mama Berlin sich gerne auseinandersetzt, und Ralph Steinfeldt’s Initiative Hamburger Väter und Mütter für ihr Kinder nicht wirklich als Blog bezeichnet werden kann müsste ich hier erstmal ein wenig sammeln, bevor ich jemanden nominieren möchte, dem ich auch mal Fragen Jenseits von Sorgerechtsproblemen und –themen stellen kann, denn Fragen, was sich hier gesellschaftlich ändern muss, möchte ich auch nur begrenzt erneut stellen. Insofern wandle ich das Nominierungsprinzip: Ich stelle elf fragen, und jeder der sich motiviert fühlt beantwortet sie und Informiert mich. Ich verlinke dann auf seine Seite. Vielleicht lerne ich so ja auch noch interessante Blogs kennen, von Freunden, bei denen ich noch gar nicht wusste, dass sie ihre Gedanken mit der Welt teilen. Hier sind die Frage

  1. Stell dir vor, die hättest einen Wunsch frei um die welt zu einem besseren Ort zu machen: Welcher Wunsch wäre das, und wie würde er die Welt verbessern?
  2. Was wäre der Ratschlag, den sich deiner Meinung nach jeder, der sich entschließt eine Familie zu Gründen hinter die Ohren schreiben sollte?
  3. Muss die Nacht am Finstersten sein vor der Dämmerung? Warum?
  4. Eine Frage aus purem Eigennutz: Dein Sohn will ein Jahr vor dem Abitur die Schule schmeissen. Redest du ihm das aus? Wie?
  5. Was beneidest du am anderen Geschlecht am meisten?
  6. Wenn Du die zeit zurückdrehen könntest: Zu welchem Zeitpunkt würdest du sie drehen und was würdest du anders machen (falls du es nicht einfach noch ein zweites Mal geniessen wolltest?)
  7. Was würdest du am meisten Bedauern, wenn du es deinen Kindern und/oder Eltern nicht mehr sagen könntest?
  8. Welches Ereignes würdest du gerne erleben (fiktiv oder historisch)?
  9. Zombies oder Vampire?
  10. Vorausgesetzt Abspielequipment ist auf der einsamen Insel vorhanden, welchen Film würdest du mitnehmen?
  11. Woran merkt man am deutlichsten, dass sich die Evolution etwas dabei gedacht hat, dass es zwei Geschlechter gibt (jenseits vom genetischen imperativ)?
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