„The Guilty“ – Lehrstück für die Trennungsindustrie

Wer möchte Freikarten für die Helfer in der Trennungsundustrie verschenken?

Die neue Mütterlobbyinitiative für das Alleinerziehen MiA e.V. hat gerade publicityträchtig Kinofreikarten für Familienrichter verschenkt. Gesehen werden soll das Klischeeträchtige Trennungsdrama „Nach dem Urteil“ von Xavier Legrand, der vermutlich den Familienrichtern klar machen soll, weshalb man Väter am besten von ihren Kindern fern hält und doch bitte selbst den Müttern glauben soll, für die Bindungstoleranz ein Fremwort ist. Bei Legrand ist die Welt noch in Ordnung, Bösewichtig und Opfer sind eindeutig definiert und der Bösewicht ist natürlich neben dem Vater auch die Familienrichterin, die Rücksichtslos die symbiotische Einheit von Mutter und Kind zerstört. Ein Film ganz nach dem Geschmack einer Mütterorganisation, die das Alleinerziehen immer noch für einen erstrebenswerten Zustand hält. Und falls jetzt wieder fragen kommen, warum ICH meine Kinder in den letzten Jahren alleine erzogen habe: Ich hätte mir gewünscht meine Ex-Frau hätte sich weiter auf das Wechselmodell einlassen können, aber da sie es nicht wollte, fiel das leider bei mir aus dem Optionskatalog.

Diesen Donnerstag kommt nun ein Film ins Kino, bei dem Vaterlobbyvereinigungen guten Gewissens Freikarten für die klischeebelasteten Helfer in der Trennungsindustrie verschenken können.

„The Guilty“ heist der hervorragende Debütfilm des Dänen Gustav Möller, den man sich auch dann guten Gewissens ansehen kann, wenn Sorgerecht und Umgang nie ein Thema im eigenen Leben gespielt haben. Trotzdem spielt das eine große Rolle in diesem Film.

In der ersten halben Stunde wirkt er sogar so, als wäre es das Finale aus Legrands Trauerstück aus der Sicht des Polizisten aus der Notrufzentrale. Aber letztendlich sind sind sich Möller und  Legrand in ihrem Werk wohl nur in einem einig. Die Richter spielen eine sehr entscheidende Rolle bei der Schuldfrage. Was Legrand nur leider komplett ignoriert, ist dass Richtern heute die Entscheidung auch nicht unbedingt einfach gemacht wird, wenn die Mutter über einen gewalttätigen Ex-Partner klagt. In der Vergangenheit würde dieses Lied leider so oft gespielt, wenn es einfach nur darum ging sich den Besitzstand an Kind und Unterhalt zu sichern, dass jenen die heute gerechtfertigt über solche Ex-Partner klagen, kaum noch geglaubt wird. Das ist ärgerlich, aber die Schuld liegt da eher bei jenen Frauen, die Mitgefühl und Leichtglaubigkeit in der Vergangenheit gewissenlos ausgenutzt haben. Und hier unterscheidet sich „The Guilty ganz deutlich in der Aussage. In Möllers emotionaler Achterbahnfahrt, ist der Schuldige am Ende jener, der sich von den klischeehaften Rollenzuschreibungen wie bei Legrands Film zu einem Urteil verführen lässt.

Für mich ist „The Guilty“ eines der Kinoshighlights 2018 auch wenn sein Budget vermutlich nicht einmal für einen Tatort gereicht hätte.

Ansehen und Weiterempfehlen.

 

über The Guilty – Der Schuldige in meinem Kopf

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.