Suchen

Lutz Bierends Fatherleft

…Vater sein dagegen sehr.

Das Ende einer Ära

»I was so nervous and scared about being a father in general, but now I was a single father and had to fulfill two roles. I wasn’t sure I could do it.”

Das ist wohl ein Gefühl, dass viele Menschen kennen, die das erste mal mit wirklicher Verantwortung konfrontiert sind, weil sie einen kleinen Menschen in diese Welt gebracht haben und diesen das erste mal im Arm halten. Selbst wenn sie planen ihn mit beiden Elternteilen groß zu ziehen, wird ihnen hier klar, was Verantwortung bedeutet. Zu mindestens war das bei mir so.

Ich erinnere mich noch, wie mein Sohn, ein Tag alt, ins Kinderkrankenhaus eingeliefert wurde…

Aus dem Stegreif musste ich lernen, die Autorität von Ärzten anzuzweifeln, denen es nur um ihre Belegungsstatistiken ging, wenn sie Risiken herbeiredeten, die faktisch nicht da waren. Sie versuchten meine Unsicherheit zu schüren. Sie versuchten mir Angst zu machen, weil ich ihn in ein anderes, elternfreundlicheres Krankenhaus verlegen wollte.

Ich erinnere mich noch an unseren Urlaub, zwei Monate nach der Trennung von seiner Mutter…

Nachdem er sich auf der Fahrt beim Schnitzen mit meinem Messer in den Finger geschnitten hatte, saßen wir am ersten Abend zusammen auf der Terrasse unserer Hütte. Er fragte mich, ob er zu mir nach Berlin zurückziehen könnte. Die »Frauen-WG«, in die seine Mutter mit ihm und seiner Schwester gezogen war, gefiel ihm nicht. Ich überlegte, was ich sagen sollte.Schließlich antwortete Ich: »Wenn du das wirklich willst, werden wir das schon hinbekommen«. Ein knappes Jahr später zog er »zur Probe« zu mir. Und dann nahm alles eine ganz andere Wendung.

Ich erinnere mich, wie ich mich mit seinem Orchesterlehrer stritt…

Wegen Störung des Unterrichtes hatte dieser ihn zu Strafarbeiten beim Hausmeister verdonnert. Mein Sohn langweilte sich. Der Lehrer hatte zwar seine Entscheidung im Orchester Percussion spielen zu wollen, akzeptiert, aber wochenlang übten sie Stücke ohne jeglichen Schlagzeugeinsatz. Ich wies ihn darauf hin, dass es seine Aufgabe als Musiker und Lehrer wäre, irgendeines der über 30 Percussioninstrumente, die das Orchester bot, auch einzusetzen, wenn er seinem Schüler diese Instrumente zur Auswahl stellte. Anschließend integrierte er in die schulische Inszenierung der Zauberflöte für meinen Sohn ein Stück fast ausschließlich für Percussion erzählte mir begeistert mit welcher Hingabe und Präzision mein Sohn seine Anweisung doch umgesetzt hatte.

Ich erinnere mich, wie mein Sohn nach Hause kam…

Er erzählte, er dürfe nicht mehr in der Kantine essen. Jemand hatte behauptet, er hätte einen Lolly geklaut. Dabei hat er sich nur einen Plastiklöffel mitgenommen, um nach dem Sportunterricht seinen Jogurt zu essen. Die Kantinenbetreiberin erzählte mir, wie enttäuscht sie von meinem Sohn war. Sieben Zeugen hätten den Diebstahl bestätigt. Ich würde meinem Sohn keinen Gefallen tun, wenn ich ihn jetzt in Schutz nähme. Ich habe ihr daraufhin erklärt, dass Sie gefälligst ihre »Zeugen« noch einmal fragen sollte, was diese wirklich gesehen haben. Ich wusste, dass mein Sohn aufrecht genug war, um für seine Fehler einzustehen. Die schwerste Aufgabe eines Richters vor der Verurteilung ist es schließlich herauszubekommen, was die Aussagen der Zeugen wirklich wert sind. Am nächsten Tag rief mich die Frau an. Sie entschuldigte sich vielmals. Bei erneuter Nachfrage kam heraus, dass nur einer ihrer »Zeugen« wirklich etwas gesehen haben wollte. Ob mein Sohn aber nun einen Lolly oder einen Plastiklöffel mitgenommen hatte, konnte der auch nicht sagen.

Ich erinnere mich, wie meine Tochter auf die Idee kam, als Achtklassprojekt einen Zombiefilm zu drehen…

Und mich alle Eltern fragten mich, wie ich sowas unterstützen könnte. Aber ich fand den medienpädagogischen Aspekt sehr interessant und fragte meinen Sohn, ob er mit bei den Spezialeffekten helfen konnte. Es beeindruckte mich sehr, wie schnell er aus Latex Milch und Kunstblut erstaunliche Masken erzeugte und wie er zum nächsten Halloween so auftrat:

Foto(1)20140502093050

Ich erinnere mich, wie meine Ex sich nach vier Jahren gegen das Wechselmodell entschied…

Ich stand plötzlich innerhalb kürzester Zeit alleinerziehend da. Plötzlich ging es mir wie Richard Johnson aus dem oben zitierten Artikel. Ich fragte mich, ob ich das überhaupt konnte, plötzlich für meine beiden Kinder als Hauptbezugsperson da zu sein, und plötzlich  alle Probleme alleine zu händeln, die man sonst sinnvollerweise zwischen Vater und Mutter aufteilte. Nebenbei noch eine Beziehung auf die Reihe zu bekommen, die ich als 50% Vater begonnen hatte.

Ich erinnere mich, wie ich mit meinem Sohn aneinandergeriet…

Er war frustriert von seinem Schulalltag. Zwei Jahre vor dem Abitur wollte er die Schule schmeißen. Ich sagte ihm: »Du willst Verantwortung für dein Leben übernehmen? Bitte sehr …« Ich drückte ihm 300€ in die Hand und setzte ihn für einen Monat vor die Tür.

In keiner dieser Situationen wusste ich, ob meine Entscheidungen pädagogischen Konsens traf. Jedesmal habe ich gezweifelt, ob meine Entscheidung richtig war. Aber wer mit diesem Zweifel nicht klar kommt, sollte vielleicht besser keine Kinder bekommen. Ich lernte irgendwann, dass es wichtiger war das zu tun, was meine Intuition für das Richtige hielt. Egal ob Menschen um mich herum Erziehungsratgeber zitierten, nach denen man so etwas nicht machen dürfte.

Nun hat mein Sohn quasi auf der linken Pobacke sein Abitur gemacht. Sein Lehrer bemerkte in der Abiturrede »seinen bemerkenswert effektiven Umgang mit seinen Ressourcen«.

Nun hat er sein Zimmer leer geräumt, um in seine erste WG in einer alten Bauernkate zu ziehen, die er mit seinen Freunden renoviert hat.

Nun steht er auf eigenen Füßen. Zwar nur einen Steinwurf von zu Hause entfernt, aber in eigener Verantwortung für sein Leben. Beim Stromanmelden durfte ich noch helfen, aber ab jetzt geht es alleine.

Klar, zum Netzwerkeinrichten fahre ich nochmal vorbei.

Ich werde auch weiterhin für die, früher immer so schmerzhaften Vater-Sohn-Gespräche zur Verfügung stehen, welche in der Vergangenheit oft seine Pläne und Ideen auf den Prüfstand gestellt haben.

Ich hoffe, dass das Vertrauen in sich und mich groß genug ist, damit er sie auch weiterhin suchen wird.

Und ich? Ich hoffe, dass ich meine Intuition in den letzten zwanzig Jahren nicht ganz so oft mißinterpretiert habe, so dass aus ihm der Mensch werden kann, der er immer sein wollte.

Wenn Juristen über das Wechselmodell sinnieren

Es ist lustig, wenn ein Jurist wie Prof. Dr. Martin Löhnig für das Editorial der sogenannten Schülerzeitung für Fachjuristen (das NJW) so inkompetent Stellung gegen das Wechselmodell und die zugehörige Resolution 2079 des Europarates Stellung bezieht:

„Manche Menschen genießen es, keinen festen Lebensmittelpunkt zu haben. Sie lieben das Leben in verschiedenen Wohnungen und schätzen langjährige Fernbeziehungen ebenso wie langfristiges berufsbedingtes Pendeln. Sie leben einfach gerne aus dem Koffer und freuen sich darüber, einmal angekommen, schon wieder an die Abfahrt denken zu müssen. Deswegen ist es nur allzu verständlich, dass der Europarat nun angemahnt hat, Kindern nicht länger diesen überaus angenehmen Lebenszuschnitt vorzuenthalten. In einer Resolution hat der Rat deshalb postuliert, dass Kinder getrennt lebender Eltern zu gleichen Teilen bei beiden Eltern zu wohnen haben. Ausnahmen sollen nur gemacht werden dürfen, wenn das Kindeswohl in Gefahr ist, was für den Rat kaum vorstellbar scheint.“

Vielleicht hätte er sich mal das Urteil seiner Kollegen vom Amtsgericht Heidelberg durchlesen sollen. Die sagen sehr deutlich, welche Grundvoraussetzungen geschaffen werden müssen, damit das Wechselmodell kindeswohlverträglich realisierbar ist

„Die Voraussetzungen für ein Wechselmodell müssten allerdings vorliegen und dem Kindeswohl am ehesten entsprechen.

Voraussetzungen für das Wechselmodell seien

  • Wohnortnähe zu den Einrichtungen der Kinder
  • betreuungskompatible Arbeitszeiten
  • ausreichender Wohnraum bei beiden Elternteilen

Keine zwingende Voraussetzung für das Wechselmodell sei, dass beide Eltern stets gut kooperierten. Es komme vielmehr darauf an, wie sie mit einer Meinungsverschiedenheit umgingen. Die Eltern seien aber auch gehalten, schwelende Trennungskonflikte zu beenden.“

Wenn man den Eindruck erweckt, dass das Wechselmodell mit dem Lebensalltag eines Europaabgeordneten zu vergleichen ist, der in seiner Heimat einen Wohnort zum Leben und in Brüssel einen zum Arbeiten hat, dann muss man sich nicht wundern, dass ein so dummes Urteil dabei herauskommt, denn zwei der essentiellen Grundvoraussetzungen, die kein mir bekannter Wechselmodellverfechter bestreiten würde, lässt er wegfallen:

  1. Die Nähe zum sozialen Umfeld des Kindes bei beiden Eltern,
  2. Ausreichend Platz und damit auch ein eigener Kleiderschrank mit den Dingen die
    ein Kind zur Bewältigung des Alltages braucht. Das gerne kolportierte Klischee,
    dass Wechselmodellkinder aus dem Koffer leben, kenne ich von niemanden der das
    Modell praktiziert.

Wenn das Wechselmodell wirklich mit der Pendelei eines Europaabgeordneten vergleichbar wäre, dann wäre das Wechselmodell tatsachlich nicht kindeswohltauglich.

Allerdings ist es ein sehr billiger Argumentationsfehler so zu tun, als würde man damit einen relevanten Anteil der Streitfälle betrachten. In der Argumentationstheorie nennt man das diesen Fallacie „Irrelevant Fact“, denn er betrachtet eine irrelevante Zielgruppe für die Bestätigung seiner Haltung.

Das wäre so, als würde ich die Gruppe der Frauen, die ihre Kinder nach der Geburt umbringen als Argument gegen das weibliche Sorgerecht qua Geburt heranziehen.

Die wenigstens Eltern, die über zweihundert Km entfernt wohnen, kämpfen darum das Wechselmodell zu praktizieren, und wenn sie es tun, wären sie genau der Fall, der mit der Einschränkung der Resolution 2097 zu vereinbaren ist: „Wenn das Kindeswohl nicht gefährdet ist.“

Hier auch noch den Fehler zu begehen und Berthold Brechts „Der kaukasische Kreidekreis“ als Sinnbild für die Wechselmodell-Entscheidung von Gerichten heranzuziehen spricht entweder für eine literarische oder kinderpsychologische Inkompetenz. Das einzige, wofür der gute Berthold Brecht herangezogen werden kann, um auf Konfliktfälle vor dem Familiengericht angewendet zu werden, ist, dass bei Berthold Brecht die biologische Kindesmutter eben gerade nicht diejenige ist, die am Kindeswohl interessiert ist, wenn sie am Kind festhält. In dem Stück will sie ihr Kind nämlich nur wiederhaben, weil das Kind eine Erbschaft zu erwarten hat, von der sie sich ein Leben in Saus und Braus verspricht.

Ich empfehle, vor solchen literarischen Verweisen doch einfach mal wenigstens die Inhaltsangabe bei Wikipedia zu lesen.

Verwunderlich ist, dass viele europäische Nachbarn  offensichtlich keine Probleme mit diesem Modell haben. Das Wechselmodell hat dort bislang nicht nicht zu einer Unmenge an Problemkindern und Sorgerechtsstreiteren vor Gericht geführt.

Besonders schön finde ich die Sammlung an rhetorischen Fragen, mit welchen Herr Professor Dr. Martin Löhnig das Wechselmodell diskreditieren möchte:

„Wird sich das Kind bei seinen Eltern darüber beschweren? Vielleicht will es nicht auch noch Probleme machen, wo doch schon alles in die Brüche gegangen ist. Vielleicht hat es auch Verlustängste.“

Aus eigener Erfahrung, und von vielen anderen Scheidungskindern kann ich nur sagen, dass das nicht gerade ein Pluspunkt für das Residenzmodell ist, denn die Verlustängste sind größer, wenn eine Bezugsperson komplett wegbricht. Im Residenzmodell ist das die Grundlage des Loyalitätskonfliktes, der gerne mal zur Entfremdung von dem anderen Elternteil führt.

„Kann ein Kind auf Dauer mit zwei wechselnden Erziehungsstilen umgehen, zumal wenn neue Partner der Eltern hinzukommen?“

Das muss ein Kind in einer Funktionierenden Beziehung auch oft tun, und wenn es zur Schule geht muss es sogar noch mit einem dritten Erziehungsstil klarkommen. Wenn Oma und Opa im Leben des Kindes eine Rolle spielen, sind es sogar vier, bzw. fünf. Mit dem Fußballverein tritt nummer 6 in sein Leben. Zu lernen, dass in manchen Umgebungen unterschiedliche Regeln gelten ist kein Manko, oder soll das Kind erwarten, dass sein Arbeitgeber später genauso verständnisvoll wie Mama ist? Vor allem: Wer sagt denn, dass im mütterlichen Haushalt die kindeswohlförderlichsten Regeln gelten? Soweit ich weiß sind Kinder aus Residenzmodellhaushalten im Durchschnitt eher verhaltensauffälliger, aber vermutlich hat Frau Sünderhauf mit ihren Studienergebnissen zu dem Thema geschummelt um ebenso plump wie Professor Dr. Löhnig das Residenzmodell zu diskreditieren.

„Wird es umgekehrt die Eltern gegeneinander ausspielen?“

Auch das passiert schon in funktionierenden Familien, und in Trennungsfamilien kann man sich ganz leicht dagegen wehren. Ich habe meinen Kindern zum Beispiel einfach gesagt: „Ist das nicht toll, dann habt ihr einen Grund euch auf die Mama-Woche zu freuen.“. Wenn Sie mir erzählt hätten, dass sie bei Mama aber das „Texas Kettensägen Massaker Teil 17“ sehen durften und bei mir nur so was langweiliges wie „Krieg der Sterne“ und „Lilo und Stitch“ dann hätte ich die Mutter einfach mal angerufen und gefragt. Das fördert die elterliche Kommunikation.

„Fühlt sich das Kind – am Ende gar zu Recht – überflüssig, wenn neue Familien entstehen, in denen andere Kinder kontinuierlich aufwachsen, während es selbst immer nur Gast bleibt?“

Tja, vor dem Problem bleiben Kinder in Residenzmodell Situationen nur bedingt verschont, nämlich wenn Mama – dem Kind zu liebe – Single bleibt, denn auch im Residenzmodell wird das Kind damit leben lernen müssen, das wenn Mama und der neue Vater ein Kind bekommen, dieses von den beiden in der Regel mehr geliebt wird, als es selber. Da ist es sogar ganz hilfreich sich dann im väterlichen Haushalt seine Zuneigung abzuholen. und einige Kinder entscheiden sich sogar genau dann dazu lieber zum Vater zu ziehen.

Es ist  erschreckend mit welcher Selbstsicherheit hier ein Jurist seine Inkompetenz zur Schau stellt und wenn er auf den Verweis auf o.g. Gerichtsurteil nichts besseres zu sagen weis, als

„…das AG Heidelberg entscheidet gegen geltendes Recht

dann kann man eigentlich nur sagen: Traurig dass das in Deutschland so ist, und genau deshalb würde die Resolution vom Europarat erlassen. Vermutlich glaubt Prof. Dr. Martin Löhnig er würde mit dem runterbeten von Klischees irgendetwas Wertvolles zur Diskussion beitragen.

Natürlich ist das Wechselmodell nicht für jeden Fall geeignet, aber wenn man hier erstmal Gleichberechtigung geschaffen hat, können Eltern hier auch Augenhöhe auch oft eigenständig die Abweichungen definieren.

Kinder und Hundetraining

In der FAZ wurde gerade wieder eine Mahnung für Eltern veröffentlicht:

„Viele Kinder von heute werden totale Narzissten“

Immer mehr Eltern versagen kläglich, wenn es darum geht, den Nachwuchs zu erziehen, sagt die Kinder- und Jugendtherapeutin Martina Leibovici-Mühlberger. Das wird gravierende Folgen für das spätere Zusammenleben und die zukünftige Gesellschaft haben.

Ich mache ja gerade Hundetraining mit meinem etwas überdominanten Neufundländer. und musste dabei schon an einige Eltern aus meinem Bekanntenkreis denken. Mir hat meine Hundetrainerin etwas sehr Einleuchtendes erklärt, was ich auch sehr passend für den Umgang mit Kindern fand. „Kinder und Hundetraining“ weiterlesen

Mein Ex der Psycho

Es wurde gerade mal in einem Forum die Frage gestellt, warum heutzutage bei Trennung so wenig auf psychische Störungen geachtet werden. Egal ob die Ex eine diagnostizierte Borderlinerin ist oder der Ex Züge einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung zeigt: Bis die Sachbearbeiter und Richter deswegen Aktiv werden vergeht eine gefühlte Ewigkeit.

Warum das so ist kann einige Gründe haben. „Mein Ex der Psycho“ weiterlesen

Super-Mamas und #Spitzenväter

Es ist schön. Das ZDF bringt einen Bericht über Super-Mamas:

»Sie arbeiten, putzen, kochen und erziehen ihre Kinder – und das oft ganz allein. Über deutsche Super-Mamas zwischen Kinderziehung und Karriere.
Kristina Bier ist müde. Es ist Mittwoch, einer dieser Tage, der nicht zu enden scheint. Gerade hat sie noch Tochter Joanna (6) vom Kindergarten abgeholt, jetzt wartet sie schon sehnsüchtig auf das Ende des Ballettunterrichts von Tochter Jewelyn (7). Um 16 Uhr ist ihr Tag schon über zehn Stunden lang. »Ich finde, die größte Herausforderung ist die Terminplanung. Gegen 16.30 Uhr sind wir zu Hause. Um 19.30 Uhr ist schon wieder Schlafenszeit. Das sind drei Stunden, die man noch mit den Kindern hat in der Woche.«

Auf auf den ersten Blick klingt es wie ein typisches Klagelied über das anstrengende Leben von alleinerziehenden Müttern (und nebenbei bemerkt: Das Leben als alleinerziehender Vater ist da nicht leichter). Dann wird aber durchaus mit dem Zitat der Soziologin Professor Anja Steinbach von der Universität Duisburg-Essen in den richtigen Kontext gerückt: „Super-Mamas und #Spitzenväter“ weiterlesen

Breaking Bad, Dad

Nachdem ich mir nun „Breaking Bad“ bereits zum zweiten Mal angesehen habe, bin ich bei Staffel 3, Episode 5 an einem Dialog zwischen Drogen King Pin Gus Fring und dem Protagonisten Walter White hängen geblieben.

Walter:  I have made a series of very bad decisions and I cannot make another one.  Gus:  Why did you make these decisions?  Walter:  For the good of my family.  Gus:  Then they weren't bad decisions. What does a man do, Walter? A man provides for his family.  Walter:  This cost me my family.  Gus:  When you have children, you always have family. They will always be your priority, your responsibility. And a man, a man provides. And he does it even when he's not appreciated or respected or even loved. He simply bears up and he does it. Because he's a man. „Breaking Bad, Dad“ weiterlesen

Die eigene Verantwortung

 

»Scheiden tut weh« sagt der Volksmund. Bedauerlicherweise beziehen viele Eltern diesen Spruch meist nur auf ihr eigenes Leid und nicht auf die ggf. involvierten Kinder.

Bernard S. Mayer schreibt in seinem Buch ›die Dynamik der Konfliktlösung: Ein Leitfaden für die Praxis‹:

»Sie müssen sich entscheiden, ob Sie Ihre Kinder mehr lieben, als Sie Ihren Ex-Partner hassen«.

Viele Eltern mögen über diese Formulierung „sich entscheiden“ stolpern. Schließlich werden »Liebe« und »Hass« von ihnen wie Gott gegebene Sakramente behandelt, bei denen es einer Blasphemie gleichkommt, sie kontrollieren zu wollen. Dabei ist die Frage, ob die Trennung der Eltern zum Trauma der Kinder wird, zum großen Teil von dieser Entscheidung abhängig.

„Die eigene Verantwortung“ weiterlesen

13 Wahrheiten über das Wechselmodell

Carola Fuchs ist eine besorgte Mutter. Nachdem der Europarat in seiner Resolution 2079 die europäischen Mitgliedsstaaten auffordert, für eine paritätische elterliche Sorge (z.B. durch Wechselmodell) die Grundlagen zu schaffen, macht sie sich ernsthaft Sorgen.

Sie wird des Kampfes für die – ihrer Ansicht nach – immer häufiger entrechteten Mütter nicht müde. Dazu sollte erwähnt werden, dass Mütter heute natürlich nicht plötzlich rechtlos dastehen. Sie müssen sich nur daran gewöhnen, dass in einer Zeit wo jeder nach Gleichberechtigung der Frauen in der Arbeitswelt ruft, diese Gleichberechtigung auch langsam im Familienrecht ankommt.

Ebenso wenig, wie sich ein Mann in der Arbeitswelt heute noch darauf verlassen kann, dass er sich alleine Aufgrund seines Geschlechtes gegen eine gleich oder besser qualifizierte Konkurrentin durchsetzen kann, so müssen sich leider auch die Mütter daran gewöhnen, dass ihr Geschlecht vor Gericht langsam den Sonderstatus verliert. Die Gerichte erwarten immer öfter, dass die Mütter kooperativ mit dem Vater Lösungen entwickeln (und natürlich umgekehrt). „13 Wahrheiten über das Wechselmodell“ weiterlesen

Wenn Mütter ihren Besitzanspruch verlieren

Es muss eine schwere Zeit für Carola Fuchs sein.

Das Buch von Frau Fuchs hat bestimmt die eine oder andere alleinerziehungswillige Mutter unter dem Kopfkissen liegen, wenn sie sich nachts in den Schlaf weint, weil Gerichte heute nicht mehr bedingungslos den mütterlichen Definitionen von »Kindeswohl« folgen.

Viel geändert hat ihr Buch aber zum Glück nicht an der Tatsache, dass Gerichte inzwischen Vätern häufiger eine größere Rolle zusprechen.

Erst bekommen unverheiratete Väter seit dem EuGH-Urteil von 2010 auch gegen den Willen der Mutter das Sorgerecht zugesprochen.

Dann kommen Gerichte auf die Idee, dass mütterliche Kommunikationsverweigerung nicht ausreicht, einen gleichberechtigten Umgang zu verwehren „Wenn Mütter ihren Besitzanspruch verlieren“ weiterlesen

Andrea Micus: Väter ohne Kinder – Was für Männer nach einer Trennung auf dem Spiel steht (Buchrezension)

Die Nacht der lebenden Texte

Vaeter_ohne_Kinder

Väter ohne Kinder – Was für Männer nach einer Trennung auf dem Spiel steht

Familie // Dieses Buch behandelt das Schicksal und den Schmerz von Vätern, die nach der Trennung von der Mutter ihres Nachwuchses unfreiwillig den Kontakt zu ihren Kindern verloren haben – umgehend oder im Lauf der Zeit. Nun mag manch Leser versucht sein, dies für eine verfehlte Perspektive zu halten; sind doch die Leidtragenden einer Trennung immer und ausnahmslos die Kinder, ihnen habe der Fokus zu gelten.

Ist nicht das Kindeswohl der entscheidende Faktor?

Das stimmt zwar, dennoch muss auch dieser Aspekt bei Trennungsfamilien betrachtet werden, und das geschieht in der breiten Öffentlichkeit viel zu selten. In Jugendämtern und an Familiengerichten trifft man oft noch die Haltung an, entscheidend für das Kindeswohl sei, dass es der Kindsmutter gut gehe. Nur recht und billig, auch dem Befinden des männlichen Elternteils Rechnung zu tragen.

Die Journalistin und Buchautorin Andrea…

Ursprünglichen Post anzeigen 1.865 weitere Wörter

Am 10.11 ist Equal Parenting Day

parenSie werden vielleicht sagen „Was? Equal Parenting Day? Nie gehört.“

Verständlich. Sie müssen sich auch nicht schämen, wenn Sie ihn verpasst haben, denn bislang werden eigentlich nur Equal xxx Days in den Medien zelebriert, die darauf hindeuten, dass Frauen nicht ganz gleich gleichgestellt sind. „Am 10.11 ist Equal Parenting Day“ weiterlesen

Danielle Gebur: Erziehung im Wechselmodell – Frau P und ihre Ansichten zum Elterndasein

Gastbeitrag von Volker Schönenberger, freiberuflicher Texter und Journalist (auch Unternehmenskommunikation), der bei „Die Nacht der lebenden Texte“ selbst als Blogger aktiv ist.Wechselmodell-Gebur-Lutz

Vor einiger Zeit hat Danielle Gebur von der Familienhilfe Potsdam ihre Bachelor-Arbeit unter dem Titel „Erziehung im Wechselmodell – Trennungskinder und gelungene Erziehungspartnerschaft“ in Buchform veröffentlicht. Dieses Buch habe ich in meinem eigenen Blog „Die Nacht der lebenden Texte“ ausführlich vorgestellt. Es enthält im Anhang Niederschriften von Interviews, die die Autorin zur Erstellung ihrer Arbeit geführt hat. Auf eines dieser Interviews will ich separat eingehen: Frau P, die das Wechselmodell von allen Befragten am negativsten dargestellt hat. Ich bitte schon jetzt um Nachsicht, wenn ich in der Folge deutliche Worte finde – oder wenn sie mir fehlen. „Danielle Gebur: Erziehung im Wechselmodell – Frau P und ihre Ansichten zum Elterndasein“ weiterlesen

Vorwürfe vom eigenen Kind

Vorwürfe des ehemaligen Partners kennen viele getrennte Elternteile. Was aber tun, wenn das eigene Kind plötzlich Vorwürfe erhebt?

Quelle: Vorwürfe vom eigenen Kind

Warum Mütter weniger Vollzeit arbeiten, als Frau Schwesig möchte

Passend zu meinem Text „6 Gründe, warum sich Väter weniger für ihre Kinder engagieren als sie wollen“ (bei der Huffington Post hier) stellte die Welt nun mal die umgekehrte Frage:

Warum die meisten Mütter Vollzeitarbeit ablehnen

Nun mal die Auflistung der partnerschaftlichen Gründe, warum Frauen nach der Geburt nicht mehr Vollzeit arbeiten (wollen):

Quelle Welt: http://www.welt.de/politik/deutschland/article143707254/Warum-die-meisten-Muetter-Vollzeitarbeit-ablehnen.html

Wen ausser Manuela Schwesig​ wundert es?

„Warum Mütter weniger Vollzeit arbeiten, als Frau Schwesig möchte“ weiterlesen

6 Gründe, warum sich Väter weniger für ihre Kinder engagieren als sie wollen

Spiegel Online hat gerade einen Kommentar veröffentlicht, der Männer aufforderte, sich ihrer Rolle als Väter mutiger zu stellen:

„Immer wieder beklagen Männer, sie hätten nicht genug Zeit für ihre Kinder – aber nach wie vor arbeitet nur ein Bruchteil in Teilzeit. Väter müssen mutiger werden.”

Bereits Anfang der 2000er-Jahre habe ich einen Artikel in einer Ausgabe der „Psychologie Heute“ gelesen, dessen Autor feststellte, dass sich Männer vor der Geburt vornehmen, mehr für ihre Kinder da sein zu wollen, als sie es nach der Geburt wirklich sind. Als Vater stimme ich der Aussage des Spiegel-Artikels zwar prinzipiell zu, leider habe ich über die Jahren mehr als genug Väter und ihre Erfahrungen kennengelernt, sodass ich feststellen muss: Mit „mehr Mut“ ist es leider nicht getan. Weshalb reicht Mut allein nicht aus? Die meisten Väter sind doch keine Idioten, die sich einfach nicht um ihre Kinder kümmern wollen (Ausnahmen bestätigen die Regel)?! Hier sechs Gründe, die fürsorgewillige Väter ausbremsen: „6 Gründe, warum sich Väter weniger für ihre Kinder engagieren als sie wollen“ weiterlesen

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑